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KEP Konzerne für mehr Kooperation – Chancen für Bürger, Kommunen, Handel und KEP Unternehmen

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Der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V. begrüßt die neue Offenheit der KEP Konzerne für mehr Kooperation. Stark steigende Sendungsmengen, knappes Zustellpersonal, Druck auf Dieselfahrzeuge in den Städten und verstopfte Innenstädte veranlassen KEP Konzerne sich öffentlich über Kooperationen auf der letzten Meile zu äußern. Nun geht es darum Möglichkeiten für Kooperation und mehr Wettbewerb auf der ersten und letzten Meile zu erarbeiten. Ziel sind anbieteroffene Netzwerke die Servicevielfalt und Unabhängigkeit von einzelnen Logistikanbietern gewährleisten. Dadurch öffnen sich Handlungsspielräume für neue Zustellmodelle und Marktteilnehmer.

KEP Konzerne öffnen sich neuen Ansätzen für die erste und letzte Meile

Der Aufschlag kam am 20.11. vom Deutsche Post-Vorstandschef Frank Appel im Handelsblatt:

Es wäre ein erster guter Schritt, wenn eine Stadt per Ausschreibung einen Anbieter bestimmt, der tatsachlich eine ganze Stadt bedient. Ist das Pilotprojekt erfolgreich, werden wahrscheinlich andere folgen. Einer muss anfangen. So hat es auch beim Streetscooter geklappt.“

Am 31.11.17 zog Hermes in der Wirtschaftswoche nach:

Hermes fordert gemeinschaftliche Paketshops von allen Anbietern in den Innenstädten. ... Eine wettbewerbsübergreifende Kooperation zwischen den Anbietern sei „durchaus denkbar“. „Hier sind nicht zuletzt auch die Städte und Kommunen gefordert, den Rahmen zu setzen und zum Beispiel passende Immobilien zur Verfügung zu stellen“,

so Hermes Geschäftsführer Frank Rausch.

Beide Experten sehen die Initiative in diese Richtung bei den Kommunen. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle bei diesen Entwicklungen zu.

Wettbewerb und Kooperation miteinander in Einklang bringen

Ausgehend von der signalisierten Bereitschaft der KEP Konzerne gilt es nun, ein Regelwerk zu finden, dass Wettbewerb und Kooperation miteinander in Einklang bringen. Die Herausforderung ist Wettbewerb und Kooperation gleichzeitig zu fördern.

Die Deutsche Post AG hat dazu einen Vorschlag:

„...dem Wettbewerb zuträglich wäre es deshalb, die Stadt würde eine Ausschreibung vornehmen und darüber jemanden beauftragen, der die City-Logistik exklusiv für eine festgesetzte Zeit übernimmt – vielleicht für zehn Jahre. Faktisch wäre dies relativ einfach umzusetzen.“

Sie sieht für sich offenbar große Chancen, diese Ausschreibungen zu gewinnen. Anders als dargestellt, ist diese Lösung jedoch nicht „dem Wettbewerb zuträglich“. Die Kommune hätte sich für 10 Jahre komplett an einen Dienstleister gebunden, nach diesen 10 Jahren wäre eine exklusive Infrastruktur etabliert, die eine Wechsel zu anderen Dienstleistern nahezu unmöglich macht. Zusätzlich würden in dieser Zeit aller potentiellen Wettbewerber in dieser Region ihren Geschäftsbetrieb wegen fehlender Aufträge einstellen müssen. Am Ende der Ausschreibungsfrist wäre schlicht kein alternativer Anbieter mehr vorhanden.

Für die Deutsche Post wäre parallel noch eine andere Gefahr gebannt, Amazon oder andere globale E-Commerceanbieter mit eigener Logistik könnten in diesen Regionen nicht mehr selbst agieren, sondern wären auf die Deutsche Post AG angewiesen.

Mit diesen Strategien jedoch wäre maßgeblich der Deutschen Post gedient und nicht den Bürgern, Kommunen und anderen oft mittelständischen KEP Unternehmen.

Offene Standards und KEP-Plattformen ermöglichen Wettbewerb und Kooperation

Ein erfolgversprechenderer Weg ergibt sich aus der Etablierung offener Standards und KEP-Plattformen. Der möglichst reibungslose und faire Austausch von Daten zwischen mehreren Dienstleistern lässt sich durch offene Standards für Datenaustauschformate und Sendungsnummern sicherstellen. Parallel kann die Kommune eine regionale KEP Plattform initiieren, über die viele Dienstleister zusammen arbeiten können. Über solch eine Plattform kann die Kommune in mehrere Gebiete aufgeteilt werden. Innerhalb dieser Gebiete können ein oder mehrere Unternehmen die Lizenz für KEP Dienstleistungen bekommen. Sofern einzelne Dienstleister die geforderten Servicelevel nicht einhalten oder sich vom Markt zurückziehen, können die verblieben Dienstleister die freigesetzten Gebiete übernehmen. Traditionelle überregional und regional aktive Unternehmen kommen so genauso wie Startups zum Einsatz. Der Wettbewerb von Lösungen wird möglich und Vielfalt gefördert.

Kommunen, Handel und KEP Unternehmen entwickeln gemeinsam Rahmenbedingungen

Ausgehend von der Bereitschaft der KEP Konzerne für neue Konzepte geht es nun darum, die Rahmenbedingungen für die Entwicklungen zu entwickeln. Dazu kann auf bewährte Instrumente zurückgegriffen werden. Die Deutschen und Europäischen Institute für Normung – DIN und CEN – bieten sich als Plattform zur Vereinbarung offener Standards an. Hier gibt es bereits gemeinsam mit dem Handel, den nationalen Postgesellschaften und dem Weltpostverband entwickelte verabschiedete Normen beispielsweise für Sendungsnummern und Logistik-Datenaustauschformate. Speziell in Deutschland haben die Marktteilnehmer erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit gesammelt. So wurde die Norm für Anbieteroffene Paketboxen abgestimmt und verabschiedet.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung von Smart City Konzepten haben sich unter dem Dach des DIN in den letzten Jahren Arbeitsgruppen u.a. bestehend aus Kommunen, Handel und KEP Unternehmen gebildet.

Wichtige Partner bei diesen Aktivitäten sind die europäische und deutsche GS1 Organisation. Sie entwickeln bereits seit den 1970er Jahren globale Standards zur Verbesserung von Wertschöpfungsketten besonders im Handel und der Handelslogistik. Zusätzlich gibt es etablierte Arbeitsgruppen von Verbänden und der Wissenschaft.

Die Kommunen haben in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Sie sind es, die mit ihren Vorgaben darüber entscheiden, ob sich offene diskriminierungsfreie KEP Systeme oder geschlossene proprietäre Lösungen etablieren.

Wertschöpfung und Entscheidungshoheit für Bürger, Unternehmen und Regionen

Die Digitalisierung und der Siegeszug des E-Commerce stellt Kommunen, Unternehmen und die Politik vor neue Herausforderungen. Wie gelingt es das Wertschöpfung in der Region verbleibt und nicht überwiegend an die Standorte global agierender Plattformen abfließt. Wie können Bürger, Kommunen und Unternehmen sicherstellen, dass sie auch in Zukunft über die eigenen Belange selbst entscheiden können und die Entscheidungshoheit nicht an Dritte abgegeben haben? Das sind wichtige Fragen deren Antworten und Lösungen unser Zusammenleben nachhaltig beeinflussen werden.

Der BdKEP setzt sich für offene KEP-Märkte ein. Dazu arbeitet er mit Technologieanbietern, KEP-Unternehmen, Normierungsorganisationen sowie Institutionen und Verwaltungen zusammen. Ziel ist ein starker und fairer KEP-Markt mit diskriminierungsfreien Zugang für die Marktteilnehmer.

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